Waldphilosophie
Der Wald ist unser langlebigstes Wirtschaftsgut
Bei der Waldbewirtschaftung müssen wir in extrem langen Zeiträumen denken: Bei Nadelbäumen sind es 100 bis 120 Jahre, bei Laubbäumen oft über 200 Jahre. Neben künftigen Vermarktungschancen ist vor allem der Klimawandel das zentrale Problem (mit einer Erwärmung von 0,4 Grad pro Jahrzehnt seit 1980). Ein heute begründeter Wald ist nur dann sinnvoll, wenn er diesen langen Zeitraum überstehen kann und die Baumarten gewählt werden, für die auch künftig eine Nachfrage besteht (z. B. Bauholz). Hier investieren Generationen in die Zukunft.
Fast zwei Jahrhunderte lang war die Fichte unser „Brotbaum“. Doch seit 35 Jahren fallen ein Drittel bis die Hälfte der Ernte Umweltkatastrophen zum Opfer – seien es Stürme (Wiebke, Lothar etc.), das Eschentriebsterben oder zunehmend der Borkenkäfer. Unsere wichtigste Aufgabe ist daher der aktive Waldumbau.
Dabei gilt es, standortspezifische Gegebenheiten strikt zu beachten. Laut Standortkartierung sind beispielsweise südlich der Isar 80 % der Waldböden wechselstaunass. Für diese schwierigen Bedingungen eignen sich primär Tanne und Eiche (ergänzt durch Douglasie und Baumhasel).
Erfahrungen mit der Tanne
Die Tanne ist in unseren bereits umgebauten Flächen mit Abstand die Hauptbaumart. Im extrem trockenen Jahr 2003 war die Weißtanne die einzige heimische Baumart, die keine Schäden zeigte. Dank ihres tiefreichenden Herzwurzelsystems konnte sie sogar Zuwächse verzeichnen. Ökologisch ist sie der Buche sehr ähnlich. Das Tannensterben der 80er-Jahre, verursacht durch Schwefelemissionen, ist dank der Luftreinhaltung (TA-Luft) überwunden. Ein kritisches Auge braucht man im Alter von 15 bis 20 Jahren auf die Stammlaus, da sie als „Türöffner“ für den Tannenborkenkäfer fungiert.
Untersuchungen der Bayerischen Landesanstalt für forstliche Saat- und Pflanzenzucht (ASP) in Teisendorf (Dr. Konnert) belegen, dass Weißtannen aus den Karpaten (Slowakei) eine um 30 % höhere genetische Diversität aufweisen als heimische Bestände. Dies deutet auf eine bessere Hitze- und Trockenheitstoleranz hin. Während die slowakische Herkunft auf unseren Flächen jedoch anfällig für den Hallimasch-Pilz war, zeigt die rumänische Tanne bessere Ergebnisse; diese pflanzen wir aktuell bevorzugt. Sie ist weniger empfindlich und wüchsiger. Im Vergleich dazu schneidet die ostbayerische Tanne genetisch am schlechtesten ab, während Schwarzwaldtannen als klimatoleranter gelten.
Eiche und Douglasie
Die Eiche leidet zunehmend unter dem Klimawandel und dem flächendeckenden Befall durch den Eichenprozessionsspinner. Zudem häufen sich Zusammenbrüche bei Altbäumen. Unser Ziel ist es in den Tannenbeständen mit größeren Abständen Roteichen, Eichen aber auch z.B. Kirschen einzumischen. Die wirtschaftlich attraktive Douglasie kommt mit unseren schweren Böden einigermaßen zurecht und ist stabil, sobald sie die ersten 25 Jahre überstanden hat. Sie bevorzugt jedoch wasserdurchlässige Standorte und reagiert stark auf Staunässe. Auf den richtigen Standorten lässt sie sich gut mit der Tanne mischen.
Erkenntnisse aus eigenen Versuchsflächen
Bereits um 1980 haben wir begonnen, auf 1.000 m² großen Versuchsflächen verschiedene Baumarten zu testen. Ein wichtiges Learning: Fast alle Laubholzpflanzungen (trotz fachlicher Begleitung) lassen kaum Wertholz erwarten. Lediglich die bei uns gepflanzten Eichen-Buchen-Mischungen liefern höhere Qualitäten, benötigen aber sehr lange bis zur Hiebreife.
Die größte Überraschung: Tannen und Douglasien erreichen bei uns bereits mit 45 Jahren einen Brusthöhendurchmesser (BHD) von 50 cm. Durch moderne, intensivere Durchforstung könnten sie also mit 50 Jahren erntereif sein. Da der Klimawandel voranschreiten wird, sollte das Ziel sein die Periode bis zur Ernte so kurz wie möglich zu halten.
Ausblick und neue Wege
80 % unseres Waldes ist bereits mit resistenteren Baummischungen umgebaut. Da sich das Wissen ständig erneuert, experimentieren wir weiter: Auf durchlässigen Böden mischen wir die Atlaszeder (Bauholz) bei, auf schwierigen Standorten (Sand/Ton) setzen wir auf die Türkische Baumhasel. Letztere ist die einzige Laubbaumart, die einstämmig wie ein Nadelbaum wächst und hervorragendes Bauholz liefert. Insgesamt haben wir zu Lernzwecken mittlerweile 47 verschiedene Baumarten auf unseren Flächen verteilt gepflanzt.