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Wie läuft ein Glockenguss ab?
Zunächst reisen die Glockengießer mit der fertigen Form an und bauen vor Ort eine kleine Gießhütte auf, die von allen vier Seiten offen ist. In dieser Giefhütte wird dann ein kleiner Oten aus Backsteinen aufgemauert, der mit einem Gips-Schamotte-Gemisch von außen eingestrichen wird. In der Mitte dieses Ofens steht dann ein Tiegel mit der notwendigen Bronze (im Fall der historischen Ergänzung mit ca. 50 kg Bronze, bei der modernen Ergänzung mit knapp 140 kg Bronze). Der Ofen wird dann mit Steinkohle aufgefüllt und mit einer Metallplatte abgedeckt, die zwei Offnungen, eine für den Schornstein und eine zur regelmäßigen Uberprüfung des Metalls, besitzt. Das Anheizen des Ofens erfolgt ganz einfach mit in Petroleum getränkten Anzündwollen. Die konstante Luftzufuhr, die dafür sorgt, dass der Ofen auf knapp 1.200° C erhitzt wird, erfolgt über zwei von Hand betriebene Kurbelgebläse, welche die ganze Zeit laufen müssen. Der Zeitpunkt, an dem die Glocke gegossen werden kann hängt davon ab, wie viel Metall geschmolzen werden muss. Bei der historischen Variante ist das nach wenigen Stunden (ich schätze ca. 6 Stunden) der Fall, bei der modernen Variante dauert das etwas länger. Wenn die Schmelztemperatur erreicht und die Bronze flüssig genug ist, wird der Schornstein abgenommen, der Ofen geöffnet und der Tiegel mit einer großen Zange, die am Dach der Hütte befestigt ist, aus dem Ofen geholt und in eine kippbare Halterung gesetzt. Von dort aus wird ein an einem Flaschenzug befestigter Haken eingehängt und das Metall schließlich in die überirdisch stehende Form gegossen. Dieser Gussvorgang als solcher dauert nur wenige Minuten. Danach muss die Glockenform abkühlen.
Die Glocke kann dann bereits am Morgen des nächsten Tages ausgepackt (sie hat dann noch eine Temperatur von gut 70°C), nach erfolgter Prüfung geweiht, aufgehängt und erstmals gelautet werden.